Wer mich 2011 bezahlt hat

Der britische Journalist George Monbiot hat angefangen, alle seine Einkommen offenzulegen. Das finde ich gut. Journalisten arbeiten in der Öffentlichkeit für die Öffentlichkeit und sollten dementsprechend auch über sich transparent Auskunft geben.

Hier ist nun gesammelt, für wen ich im vergangenen Jahr gearbeitet habe, etwas detaillierter als bisher in der linken Spalte.

Im Februar/März war ich bei der Kölner Agentur Ergo Kommunikation (nicht mit der Versicherung verwandt oder verschwägert), denn zur Ausbildung an der Kölner Journalistenschule gehörte ein Praktikum bei einer PR-Abteilung. Kunden, mit denen ich während des sechswöchigen Praktikums in Berühung kam: Bundeswirtschaftsministerium, DnB NOR, FXCM, UBS, Pioneer, Investec (also hauptsächlich Finanzkommunikation).

Im März fand in Köln der World Business Dialogue statt, ein von Studenten ehrenamtlich organisierter Wirtschaftskongress, für den ich eine Podiumsdiskussion und eine Veranstaltungszeitung mitorganisiert habe. Über den Kongress habe ich auch einen Artikel für den ehrenamtlich betriebenen Köln-Blog Elfnachelf geschrieben, der von der Kölner Universitätszeitung für ein kleines Honorar nachgedruckt wurde (PDF). Was ich für Elfnachelf sonst geschrieben habe, steht hier.

April, Mai, Juni, Juli habe ich frei bei Süddeutsche.de gearbeitet, im Ressort Wirtschaft. Einige Artikel wurden von der SZ nachgedruckt. Online erschiene Artikel kann man auf dieser Seite sehen.

Im Mai habe Ich auf einem Tourismus-Kongress einen Vortrag über Social Media und Journalisten gehalten, für eine Übernachtung, Essen, Trinken und 15 Minuten Aufmerksamkeit (Details in diesem Blog-Post).

Im September, Oktober, November, Dezember habe ich ein paar Stücke für die Süddeutsche Zeitung und Süddeutsche.de aus Korea geschrieben, weil ich in der Zeit in Seoul gelebt habe.

Ende Dezember ist in der Neon ein kleiner Text darüber schienen, dass eine russische Eliteuniversität bewusst Kriminelle aufnimmt.

Meine Einnahmen haben nur in den Monaten bei Süddeutsche.de, also April bis Juli, eine vierstellige Summe erreicht.

Als ich nicht gearbeitet, sondern studiert habe, bekam ich finanzielle Unterstützung durch eine Stiftung. Desweiteren habe ich ein paar Kapitalerträge aus Festgeld. Ich besitze keine Aktien.

In Anspruch genommene Presserabatte: null.

Bloggen? Denken!

Mein neuer Arbeitgeber hat einen neuen Blog.

Für die beteiligten Autoren ist das Digitalblog deshalb keine simple Publikationsgattung, sondern ein Chiffre für den Versuch, der vernetzten Struktur der digitalen Welt gerecht zu werden und den Dialog als Teil des Publizierens im Netz zu verstehen. Es soll ein Instrument sein, den digitalen Wandel der Gesellschaft und die anhaltenden technischen Revolutionen zu begleiten; die entstehenden Debatten zu spiegeln, zu bündeln und anzureichern.

Das gefällt mir. Es kommt meiner persönlichen Definition vom Bloggen sehr nahe: Bloggen ist öffentliches Denken. So ähnlich hat es auch schon einmal John Sides beschrieben, der Politikprofessor bloggt hier.

Ich denke außerdem (schon geht’s los mit dem öffentlichen Denken), dass es ergiebiger ist zu versuchen, das Bloggen zu definieren als den/das Blog. Bloggen als Kulturtechnik, Denk- und Arbeitsweise, dialogisch, nie abgeschlossen oder fertig, offen, transparent und deswegen individuell, weil ja ein Gehirn denkt (oder mehrere zusammen oder nacheinander).

Christoph Kappes denkt sich anders an den Blog-Begriff heran, technischer, eher von der Produktionsseite, den formalen Vorgaben.

Wer übrigens genauer wissen will, wie ich so denke, kann dies auch bei Delicious tun: Dort speichere ich Artikel, die ich mir merken will – in meinem öffentlichen mentalem Exoskelett.