Antisemitismus vor dem Kölner Dom

Klagemauer

Der Text erschien gekürzt am 14. April unter der Überschrift „Herrmann darf Karikatur zeigen – Staatsanwalt weist Anzeige gegen Klagemauer-Initiator zurück“ in der Köln-Ausgabe der Welt-Kompakt.

 

Ein Jude verspeist ein pal??stinensisches Kind ??? diese Karikatur hat f??r den Klagemauer-Initiator Walter Herrmann kein juristisches Nachspiel. Herrmann hat das Bild Anfang des Jahres als Teil seiner Dauerdemonstration gezeigt, mit der er seit Jahren auf der Domplatte steht. Eine Anzeige wegen Volksverhetzung gegen ihn hat die K??lner Staatsanwaltschaft gestern zur??ckgewiesen.
Angezeigt hatte Herrmann Gerd Buurmann. Der k??nstlerische Leiter des Severinsburgtheater ging Anfang des Jahres an der Klagemauer vorbei, sah die Karikatur und war schockiert. Sofort rief er die Polizei und erstattete Anzeige. ???Diese Zeichnung h??tte gut auch im St??rmer erscheinen k??nnen???, sagt Buurmann. Die K??lnische Gesellschaft f??r christlich-j??dische Zusammenarbeit schlo?? sich ihm an und erstattete ebenfalls Anzeige. Au??erdem unterst??tzten die Stadtratsfraktionen der CDU, der FDP, der Gr??nen und einzelne Mitglieder der Linken in offenen Briefen Buurmanns Vorgehen. Auch der der Aachener Friedenspreis, der Herrmann noch 1998 als Preistr??ger auszeichnete, ist zu ihm auf Distanz gegangen. Buurmann hatte schon immer ein Problem mit der Klagemauer. Er wirft Herrmann vor, den Nahost-Konflikt einseitig darzustellen. Das Plakat brachte das Fa?? zum ??berlaufen.
Die Staatsanwaltschaft sieht dagegen in dem Plakat eine Israel-Kritik, die von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Die Karikatur beziehe eindeutig einen Standpunkt, der sich gegen das Verhalten der israelischen Armee im Gaza-Krieg richtet, und sei nicht generell antisemitisch. ???Eine inhaltliche Bewertung der Bildaussage steht uns nicht zu, wir gehen allein nach dem Strafgesetzbuch???, so Staatsanwalt Rainer Wolf.
Herrmann selbst h??lt die Vorw??rfe f??r absurd. Die Karikatur war auf einem Presse-Foto zu sehen, dass Herrmann aus der Zeitung kopiert hatte, und zeigte eine indische Demonstration gegen den Gaza-Krieg. Eine Inderin hielt die antisemitische Karikatur hoch. ???Ich habe das Bild einfach ??bernommen, wie andere Reaktionen auf den Gaza-Krieg auch???, sagt Herrmann. ???Die Karikatur muss man diskutieren k??nnen.??? Er betont au??erdem, dass sich sein Protest nicht gegen Juden oder Israel richte, sondern allein gegen die israelische Regierung.
Trotzdem hat er auf die Anzeige reagiert und umgehend das Plakat abgeh??ngt. Kurz darauf hat er auch das Thema seiner Klagemauer ge??ndert ??? er demonstriert nun gegen Obdachlosigkeit und die Privatisierung st??dtischer Wohnungen. Nach der Landtagswahl soll aber seine ???Klagemauer Pal??stina??? wieder vor den Dom ziehen, hat Herrmann angek??ndigt.
Dass die K??lner Staatsanwaltschaft in der Karikatur keinen hinreichenden Tatverdacht sieht, findet Buurmann skandal??s. ???Solidarit??t mit Juden wird in Deutschland offenbar gerichtlich unterbunden???, sagt er. Gegen die Entscheidung kann er bei der Generalstaatsanwaltschaft Beschwerde einlegen.
Ein Mitstreiter Herrmanns wiederum wurde wegen Volksverhetzung verurteilt. Das K??lner Amtsgericht verh??ngte gegen einen Mitdemonstranten im M??rz eine Geldstrafe in H??he von 1.000 Euro. Der Mann hatte w??hrend des CSD 2009 am Dom zusammen mit Herrmann gegen den Gaza-Krieg demonstriert und dabei einen Zivilpolizisten als ???perverses schwules j??disches Arschloch??? beschimpft.

 

Fotoquelle: Gerd Buurmann

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